Ich und ADHS


Ich habe schon mein ganzes Leben mit ADHS gekämpft, und es lange Zeit nicht wahr haben wollen. Vor drei Jahren haben sind dann Dinge geändert und letzte Woche habe ich endlich einen Arzt gefunden der mit Behandelt.

Anfang und die Diagnose

Ich habe die Diagnose als Kinder erhalten. Damals hat das nichts für mich bedeutet (ich war 7 oder 8 Jahre alt), würde auch mit Methylphenidat behandelt aber das wurde nach einen Jahr wieder eingestellt. Dann habe ich die Diagnose vergessen und später aktive unterdrückt. Es konnte doch nicht sein das ich anderes war, ich wollte das nicht. Das vermischt mit einer gute Portion Vorurteile zu den Thema und so Aussagen wie "Der Arzt will doch nur die Tabellen verschreiben" habe um so mehr dazu geführt das ich das nicht haben wollte.

Aber es war immer noch da, es wieder auch immer da sein. Es ist ein Teil von mir, es ist aber nicht ich. 1

Kurze Zeit darauf fing ich an mit mich irgendwie meiner Sexualität bewusst zu werden und ja für jemanden der nicht von der Norm abweichen will, war das jetzt nicht die beste Erkenntnis. But that's a story for a another time :D

Mich und ADHS akzeptieren

Das beste was mir bisher in meine Leben passiert ist mit den Chaos in Kontakt zu kommen. Auf einmal war ich nicht mehr der eine der etwas komisch ist, sondern einer von viele, die aber alle Einzigartig sind. ❤️

Ich habe das ACME Labs mit gegründet, mit einer Gruppe von super Freunden, wir hatten schon vor der Gründung einen sehr positive Atmosphäre geschaffen.

In dieser Geschichte ist gerade nur die Renovierung der Räume relevant. Wir standen also vor diesen großen leeren Raum, den wir unser machen wollten. Gesagt, getan, wir habe also renoviert, es lagen aber noch paar Kleinigkeiten von Vormieter in den Raum. Unter anderen ein Barfußsschild 2 , dieses hatte ich eines Tags in der Hand und stand in der Tür und habe damit rumgefidgeted, total unbewusst, auf einmal hat jemand (glaube @raichoo) das ist heute sehr hyperaktive wäre und ich das Schild mal bitte weg stellen sollte, da ich sonst die Glastür kaputt machen könnte. In den Moment hat es klick gemacht, mir würde das zum ersten mal bewusst von Außen von einen nicht Arzt bestätigt und es war nicht negativ gemeint.

Die Nächsten Tag und Wochen habe ich mich mit den aufgestauten Emotionen und Erinnerung beschäftigt. Ich habe es langsam akzeptieren das ich ADHS habe, mir würde klar warum mir gewissen Dinge schwerer gefallen sind, als anderen. Ich habe mich damals auch das erstmal mal wirklich mit AHDS auseinander gesetzt.

Ausbildung mit AHDS

2019 habe ich dann einen Ausbildung zum Fachinformatiker angefangen. Erstmal lief alles sehr gut, ich habe quasi direkt beweisen können das ich echt viel drauf habe. Ich habe mich um das Netzwerk und Server bei dem Umzug ins neue Büro gekümmert. Das Netzwerk im neuen Büro dann auch noch mal komplett neu auf gesetzt3. Das alles nach nicht mal drei Wochen da :D.

Mein Chef hat also gemerkt das ich was drauf hatte und mir ein Projekt gegeben, ganz allein, was komplett neues. Hörte sich erstmal super an, es gab nur zwei Problem:

  1. Ich hatte keine Ahnung von C# Entwicklung und den Ökosystem.
  2. Ich war ganz allein und wollte natürlich alle beeindrucken, ganz besonders mich selbst.

Es folgte einen auf und ab von knapp einen Jahr wo ich mit den eigentlich Projekt nicht vorangekommen bin, weil ich zu einen erstmal raus finden musste das die Technologien die mir genannt würden sehr veraltet sind. Zum anderen weil ich auf die geniale Idee kam diesen doch sehr simple Anwendung als Mircoservices Architektur auszubauen.

Ob wohl ich da etwas Verloren war, war ich einiger massen Glücklich. Doch das alles änderte sich mit dam dam daamm Corona.

Corona eine Talfahrt

Anfangs war's echt super. Ich konnte von zu Hause arbeiten und merkte das ich nicht mehr ganz so stark abgelenkt war und mich der Bürolärm nicht mehr so gestresst hat, aber ich war noch mehr von den Leute abgeschnitten die mich hätten in die richtige Richtung leiten können.

Meine Anfangs gute Stimmung ging sehr schell den Berg runter, der Hackspace war zu. Wir konnten uns nicht mehr zu Brettspielen, Kochen, oder einfach nur so rumsitzen treffen. Ein großer Teil meines Emotional Support Netzwerkes 4 war auf einmal gefühlt weg.

Ich habe aber auch in der Zeit neue Freundschaften geschlossen und Freunde gewonnen die ich nicht mehr missen will, aber das Trauma von Hackspace zu sitzt immer noch sehr tief, ob wohl mir das zu der Zeit noch nicht bewusst war.

Mitte 2020 war ich dann an den tiefsten Tief wo ich bisher jemals war. Kurz vor den Burnout. Ich war 4 Wochen krank, mir ging es scheiße. Da will ich nie wieder sein, alles tat weh. Ich saß am Rechner mir war sehr schlecht und ich habe geheult.

Danach war es nur noch ein Auf und Ab. Es musste sich was ändern, nur was? Zudem gleichen Zeitpunkt habe ich mit zwei Kollegen angefangen zusammen zuarbeiten, mit den ich mich sehr gut verstehe.

Langsam rückte auch die Zwischenprüfung näher, ich würde schon Monate davor nervös, weil ich nicht lernen könnte. Ich saß nur da und konnte nichts machen. Dafür habe ich die mit 2,8 bestanden. Ich scheine das doch schon zu können :)

Methylphenidat und ich

Methylphenidat

Das war lange Zeit für mich so ein Teufelszeug was mich nur für andere Erträglich / Aushaltbar macht. Ich wollte das nicht, wer bin ich wenn ich das Zeug in mir habe?

Ich glaube der Auslöser dafür das ich meine Meinung dazu geändert habe war meine Zwischenprüfung. Vorher habe ich schon öfter mit anderen AHDSler*innen gesprochen, wie das so ist. Die Zwischenprüfung hat mich aber zum erstmal seit dem ich die Diagnose für mich selbst akzeptiert habe, an meine Grenzen stoßen lassen. Ich wollte das jetzt auch mal probieren.

Der erste Arzt

Ich bin also mit allen Unterlagen die ich so habe, zu einen Neurologen. Hier musste ich jedoch eine große Enttäuschung erfahren.

"Methylphenidat da halte ich nicht so viel von."

In der Apotheke hat man mir das auch noch mal bestätigt, das Medikament ist für die ADHS "nicht bekannt". Später habe ich raus gefunden das man Bupropion schon in der ADHS Behandlung einsetzen kann, aber auch mehr als letzt Option wenn sonst nichts gewirkt hat.

Ich war sehr frustriert und niedergeschlagen, und am schlimmsten ich fühle mich invalidiert mit meinen Problemen. Aber so schnell lasse ich mich nicht unterbekommen. Nur mal wieder 4 Monate Wartezeit :(

Finally a doctor

Kommen wir nun also zu vor ein paar Tagen, Montag den 2021-07-05, der Termin war endlich da. Bin da sehr aufgeregt hingegangen und sehr sehr Glücklich wieder rausgegagen. Der Arzt hat mir zu gehört und nicht mit mir diskutiert. Am Ende hatte ich ein BMG5-Rezept in der Hand, was ich in der Apotheke im gleich Gebaute eingelöst habe. Ich hatte Endlich 10mg Medikinet Tabletten in der Hand :D

Wirkung mit Absicht auf Nebenwirkungen

Ich bin dann nach ins Büro habe noch was auf den Weg gegessen. Dann war es wo weit ich habe die erste Tablette genommen.

🤯

Ich konnte:

Und der Effekt den ich erst nicht bemerkt habe, aber als ich es gemerkt habe dann sehr. Die Innerliche Unruhe war viel weniger. Ich konnte zum erstemal seit Jahre entspannen. Mitten im Büro.

Am Tag darauf habe ich dann verstellen muss das ich mit Medikinet erstmal kein/wenig Koffein6 vertrage :D

Die Tage dadrauf verliefen aber super. Ich habe endlich mal was auf der Arbeit geschafft und bin mal voran gekommen. Zudem bin ich nicht mehr erschöpft wenn ich auch den Büro nach Hause komme und kann auch noch hier Dinge machen.

Eine Woche später habe ich dann noch mal 10 weiter mg am Nachmittag gekommen und der Effekt ist dann noch bis zum Feierabend und etwas darüber da.

Was soll ich sagen, diese zwei Wochen habe mir gezeigt was für einen Lebensqualität möglich ist mit den richtig Werkzeugen :)

Bin extrem happy.


1

Diese Erkenntnis hatte ich damals natürlich noch nicht. :(

2

Ein Schild was dich dazu auffordern wollte doch bitte Barfuß zu sein.

3

endlich mal mit getrennten Netz für Kunde, wenn die Vorort sind

4

Umgangssprachlich: Freunde

5

Betäubungsmittelgesetze

6

tea. earl grey. hot.